Ohrakupunktur nach dem NADA-Protokoll wird weltweit auch dort eingesetzt, wo Menschen durch Naturkatastrophen, Krieg oder andere menschengemachte Katastrophen mit existenzieller Bedrohung, Verlust und traumatischen Erfahrungen konfrontiert sind. Die Einfachheit, Standardisierung und Delegierbarkeit der Intervention ermöglichen es, NADA niedrigschwellig und rasch einer größeren Zahl von Betroffenen anzubieten – auch unter Bedingungen, unter denen eine individuelle psychotherapeutische Versorgung zunächst kaum möglich ist.

Eine charakteristische klinische Wirkung von NADA wird häufig als „entspannte Wachheit“ beschrieben. Dieser Zustand kann gerade für Menschen mit Traumafolgestörungen von Bedeutung sein: Anspannung und Hyperarousal können abnehmen, ohne dass Wachheit und das Erleben von Kontrolle verloren gehen. Damit kann NADA dazu beitragen, Sicherheit, Selbstwirksamkeit und Regulationsfähigkeit wieder erfahrbar zu machen. Auch in psychosomatischen und psychiatrischen Kliniken wird das NADA-Protokoll daher bei Patientinnen und Patienten mit Traumafolgestörungen eingesetzt.

Während für Akupunktur bei PTBS zunehmend qualitativ hochwertige klinische Studien vorliegen, ist die spezifische Evidenz für das standardisierte NADA-Protokoll deutlich begrenzter. In eigenen Untersuchungen konnten wir Effekte von NADA auf Symptome der Posttraumatischen Belastungsstörung beobachten.

Der Vortrag stellt eigene Forschungsergebnisse vor und gibt einen kritischen Überblick über die internationale Literatur zu NADA bei Traumafolgestörungen sowie zum Einsatz nach Katastrophen und anderen potenziell traumatisierenden Ereignissen. Möglichkeiten, Grenzen und Perspektiven des NADA-Protokolls werden vor dem Hintergrund der aktuellen Evidenz und der eigenen klinischen Erfahrung diskutiert.